Kapitel 7. Sound unter Linux

Inhaltsverzeichnis

7.1. Mixer
7.2. Multimedia-Player
7.3. Wiedergabe und Auslesen von CDs (Rippen)
7.4. Harddisk-Recording mit Audacity
7.5. Direkte Aufnahme und Wiedergabe von WAV-Dateien

Zusammenfassung

Linux bietet eine große Bandbreite an Sound- und Multimedia-Anwendungen. Einige dieser Anwendungen gehören zu einer der wesentlichen Desktopumgebungen. Mit den hier beschriebenen Anwendungen können Sie die Lautstärke und die Balance der Audioausgabe regeln, CDs und Musikdateien wiedergeben sowie Ihre eigenen Audiodaten aufnehmen und komprimieren.

7.1. Mixer

Mixer dienen zur Regelung von Lautstärke und Balance der Tonausgabe und -eingabe bei Computern. Die verschiedenen Mixer unterscheiden sich hauptsächlich durch ihre Benutzeroberfläche. Es gibt jedoch einige Mixer, die für spezifische Hardware bestimmt sind. envy24control ist beispielsweise ein Mixer für den Envy 24-Soundchip. Ein weiterer Mixer, hdspmixer, ist für RME Hammerfall-Karten bestimmt. Wählen Sie aus den verfügbaren Mixern denjenigen aus, der Ihren Anforderungen am besten entspricht.

[Tip]Testen Sie Ihren Mixer

Im Allgemeinen ist es ratsam, eine Mixeranwendung vor anderen Soundanwendungen zu öffnen. Verwenden Sie den Mixer zum Testen und Anpassen der Reglereinstellungen für den Ein- und Ausgang der Soundkarte.

7.1.1. Das KDE-Mixer-Applet

KMix ist die Mixeranwendung von KDE. Sie ist als kleines Applet in den Systemabschnitt der KDE-Kontrollleiste integriert. Wenn Sie das Symbol auf der Kontrollleiste anklicken, können Sie die Lautstärke Ihrer Lautsprecher über einen Regler einstellen. Mit einem Rechtsklick auf das Symbol rufen Sie das KMix-Kontextmenü auf. Wählen Sie Stumm, um den Tonausgang zu deaktivieren. Das Symbol in der Kontrollleiste ändert sich daraufhin. Klicken Sie nochmals auf Stumm, um die Lautstärke wieder einzuschalten. Wenn Sie Feinabstimmungen der Toneinstellungen vornehmen möchten, wählen Sie Mixerfenster anzeigen und konfigurieren Sie Ausgang, Eingang und Schalter. Jedes der dort aufgeführten Geräte verfügt über ein eigenes Kontextmenü, das durch einen Klick mit der rechten Maustaste auf das zugehörige Symbol geöffnet werden kann. Sie können sie einzeln stummschalten oder ausblenden.

Abbildung 7.1. Der Mixer KMix

Der Mixer KMix

7.1.2. Das GNOME-Mixer-Applet

GMix, das Applet für die Lautstärkeregelung des GNOME-Desktops, ist in die GNOME-Kontrollleiste integriert. Wenn Sie das Symbol auf der Kontrollleiste anklicken, können Sie die Lautstärke Ihrer Lautsprecher über einen einfachen Schieberegler einstellen. Klicken Sie zum Ausschalten der Tonausgabe mit der rechten Maustaste auf das Symbol und wählen Sie Stumm. Das Symbol für die Lautstärkeregelung ändert sich daraufhin. Klicken Sie zum Aktivieren der Tonausgabe mit der rechten Maustaste nochmals auf das Symbol und wählen Sie im Menü Stumm. Mit Lautstärkeregelung öffnen können Sie auf erweiterte Mixerfunktionen zugreifen, wie in Abbildung 7.2, „Das GNOME-Mixer-Applet“ dargestellt. Für jedes Audiogerät gibt es einen eigenen Karteireiter mit Mixereinstellungen.

Abbildung 7.2. Das GNOME-Mixer-Applet

Das GNOME-Mixer-Applet

7.1.3. alsamixer

alsamixer kann ohne die X-Umgebung über die Befehlszeile aufgerufen werden und ist vollständig über Tastenkombinationen steuerbar. Ein alsamixer-Fenster besteht immer aus folgenden Elementen: einer oberen Zeile mit grundlegenden Informationen über den Karten- und Chiptyp, der ausgewählten Ansicht und dem Mixerelement sowie der Lautstärkeanzeige unter dem Informationsbereich. Mit und können Sie nach links oder rechts scrollen, wenn die Regler nicht in einem Bildschirm angezeigt werden können. Die Namen der Regler werden unterhalb der Regler angezeigt. Der aktuell ausgewählte Regler wird rot dargestellt. Mit M können Sie jeden einzelnen Regler des Mixers stummschalten und wieder aktivieren. Ein stummgeschalteter Regler wird durch MM unterhalb seines Namens markiert. Jeder Regler mit Aufnahmefunktionalität hat eine rote Aufnahmemarkierung.

alsamixer hat drei unterschiedliche Ansichtsmodi: Wiedergabe, Aufnahme und Gesamt. Standardmäßig wird alsamixer im Modus Wiedergabe gestartet. In diesem Modus werden nur Regler angezeigt, die für die Wiedergabe benötigt werden (Master-Lautstärke, PCM, CD usw.). Aufnahme zeigt nur Regler für die Aufnahme an. Gesamt beinhaltet alle verfügbaren Regler. Mit F3, F4 und F5 können Sie zwischen den Ansichtsmodi wechseln.

Kanäle lassen sich mit und oder N und P auswählen. Mit und oder + und - können Sie die Lautstärke erhöhen oder senken. Stereokanäle können separat bedient werden über Q, W und E zum Erhöhen der Lautstärke und Z, X und C zum Senken der Lautstärke. Mit den numerischen Tasten 0 bis 9 kann schnell die absolute Lautstärke geändert werden. Sie entsprechen 0 % bis 90 % der maximalen Lautstärke.

7.1.4. Erscheinungsbild von Mixeranwendungen

Das Erscheinungsbild der Mixeranwendungen hängt vom Typ der verwendeten Soundkarte ab. Einige Treiber wie beispielsweise SB Live! haben viele steuerbare (abstimmbare) Mixerelemente, während die Elemente von Treibern für professionelle Soundkarten völlig andere Namen haben können.

7.1.4.1. Onboard-Soundchip

Die meisten PCI-Onboard-Soundchips basieren auf dem AC97-Codec. Master regelt die Gesamtlautstärke der vorderen Lautsprecher. Surround, Mitte und LFE regeln die hinteren, die mittleren und die Bass-Boost-Lautsprecher. Jeder Lautsprecher kann separat stummgeschaltet werden. Zusätzlich haben einige Karten gesonderte Lautstärkeregler für Kopfhörer und Master Mono. Die letztere Option wird auf einigen Notebooks für den integrierten Lautsprecher verwendet.

PCM regelt den internen Lautstärkepegel der digitalen WAVE-Wiedergabe. PCM steht für Pulse Code Modulation, eines der Formate für digitale Signale. Auch dieser Regler kann einzeln stummgeschaltet werden.

Andere Lautstärkeregler wie beispielsweise CD, Line, Mikrofon und Aux regeln die Loopback-Lautstärke zwischen dem entsprechenden Eingang und dem Hauptausgang. Sie haben keinerlei Auswirkung auf den Aufnahmepegel, sondern lediglich auf die Lautstärke während der Wiedergabe.

Schalten Sie zum Aufzeichnen den Schalter Aufzeichnen ein. Dies ist der Masterschalter für die Aufzeichnung. Der Regler für Aufzeichnen steuert die Eingangsverstärkung für die Aufzeichnung. Standardmäßig ist dieser Wert auf Null gesetzt. Wählen Sie eine Aufnahmequelle wie Line oder Mikrofon. Die Auswahl der Aufnahmequelle ist exklusiv, es können also nicht zwei Quellen gleichzeitig ausgewählt werden. Mix ist eine spezielle Aufnahmequelle. Diese Einstellung ermöglicht die Aufzeichnung des von dieser Quelle aktuell wiedergegebenen Signals.

Je nach dem verwendeten AC97-Codec-Chip sind zusätzlich Spezialeffekte wie 3-D oder Bass/Höhen verfügbar.

7.1.4.2. Mixer von SoundBlaster Live! und Audigy

SoundBlaster Live! und SB Audigy1 haben zahlreiche Mixerregler für ihre AC97-Codec-Chip- und DSP-Engine. Neben den bereits beschriebenen Reglern gibt es Einstellungen für Wave, MusiK und AC97, mit denen das Routing der internen Signale und die Signaldämpfung beim Abmischen von PCM, WaveTable MIDI und AC97 geregelt werden können. Bei einer Lautstärke von 100 % sind alle Signale zu hören. SB Audigy2 (abhängig vom Modell) hat weniger Bedienelemente als SB Live, verfügt aber über Regler für Wave und MusiK.

Das Aufzeichnen mit SB Live ähnelt dem Aufzeichnen mit Onboard-Chips. Wählen Sie Wave und MusiK als zusätzliche Aufnahmequelle, um die abgespielten PCM- und WaveTable-Signale aufzuzeichnen.

7.1.4.3. USB-Audiogeräte

USB-Audiogeräte verfügen in der Regel über wenige Mixer-Regler. In einigen Fällen sind sogar gar keine vorhanden. Die meisten Geräte haben entweder den Regler Master oder PCM zur Regelung der Wiedergabelautstärke.

7.1.5. Der Mixer für den Soundchip Envy24

envy24control ist eine Mixeranwendung für Soundkarten mit dem Envy24-Chip (ice1712). Aufgrund der Flexibilität des Envy24-Chips kann die Funktionalität bei verschiedenen Soundkarten recht unterschiedlich sein. Die neuesten Details zu diesem Soundchip finden Sie in /usr/share/doc/packages/alsa-tools/envy24control.

Abbildung 7.3. Monitor und Digitaler Mixer von envy24control

Monitor und Digitaler Mixer von envy24control

Im Monitor Mixer von envy24control werden die Pegel der Signale angezeigt, die mit der Soundkarte digital abgemischt werden können. Die Signale mit der Bezeichnung PCM Out (PCM-Ausgabe) werden von Anwendungen generiert, die PCM-Daten an die Soundkarte senden. Die Signale der analogen Eingänge werden unter Hardware-Eingang angezeigt. Rechts davon befinden sich die Anzeigen für die S/PDIF-Eingänge. Die Ein- und Ausgangspegel der analogen Kanäle können unter Lautstärke analog eingestellt werden.

Die Monitor Mixer-Schieberegler werden für das digitale Abmischen verwendet. Die entsprechenden Pegel werden im Digitaler Mixer angezeigt. Der Karteireiter Patchbay enthält für jeden Ausgabekanal eine Reihe von Optionsschaltflächen, mit denen die gewünschte Quelle für diesen Kanal ausgewählt werden können.

Unter Lautstärke analog werden die Verstärkungen für die Analog-Digital- und die Digital-Analog-Wandler angepasst. Die DAC-Schieberegler sind für die Ausgangskanäle und die ADC-Schieberegler für die Eingangskanäle zuständig.

Die S/PDIF-Kanaleinstellungen werden unter Hardware-Einstellungen vorgenommen. Der Envy24-Chip reagiert auf Lautstärke-Änderungen mit einer Verzögerung, die unter Lautstärke-Änderung konfiguriert werden kann.