1.3. Vorbereitung des Bootvorgangs des Zielsystems

In diesem Abschnitt werden die für komplexe Bootszenarios erforderlichen Konfigurationsschritte beschrieben. Er enthält zudem Konfigurationsbeispiele für DHCP, PXE-Boot, TFTP und Wake-on-LAN.

1.3.1. Einrichten eines DHCP-Servers

Das Einrichten eines DHCP-Servers unter SUSE Linux erfolgt manuell durch Bearbeiten der entsprechenden Konfigurationsdateien. In diesem Abschnitt wird beschrieben, wie eine vorhandene DHCP-Serverkonfiguration erweitert wird, sodass sie die für eine TFTP-, PXE- und WOL-Umgebung erforderlichen Daten zur Verfügung stellt.

1.3.1.1. Manuelles Einrichten eines DHCP-Servers

Die einzige Aufgabe des DHCP-Servers ist neben der Bereitstellung der automatischen Adresszuweisung für die Netzwerkclients die Bekanntgabe der IP-Adresse des TFTP-Servers und der Datei, die von den Installationsroutinen auf dem Zielcomputer abgerufen werden soll.

  1. Melden Sie sich als root auf dem Computer an, auf dem der DHCP-Server laufen soll.

  2. Fügen Sie der Konfigurationsdatei des DHCP-Servers, die sich unter /etc/dhcpd.conf befindet, folgende Zeilen hinzu:

    group { 
      # PXE related stuff 
      # 
      # "next server" defines the tftp server that will be used 
      next server ip_tftp_server: 
      # 
      # "filename" specifies the pxelinux image on the tftp server 
      # the server runs in chroot under /srv/tftpboot 
      filename  "pxelinux.0";
          }
    

    Ersetzen Sie ip_tftp_server durch die IP-Adresse des TFTP-Servers.

    Weitere Informationen zu den in dhcpd.conf verfügbaren Optionen finden Sie auf der Manualpage von dhcpd.conf.

  3. Starten Sie den DHCP-Server neu, indem Sie rcdhcpd restart ausführen.

Wenn Sie SSH für die Fernsteuerung einer PXE- und Wake-on-LAN-Installation verwenden möchten, müssen Sie die IP-Adresse, die der DHCP-Server dem Installationsziel zur Verfügung stellen soll, explizit angeben. Ändern Sie hierzu die oben erwähnte DHCP-Konfiguration gemäß folgendem Beispiel:

group { 
  # PXE related stuff 
  # 
  # "next server" defines the tftp server that will be used 
  next server ip_tftp_server: 
  # 
  # "filename" specifiies the pxelinux image on the tftp server 
  # the server runs in chroot under /srv/tftpboot 
  filename "pxelinux.0"; 
  host test { hardware ethernet mac_address; 
	    fixed-address some_ip_address; } 
       }

Die Host-Anweisung gibt den Hostnamen des Installationsziels an. Um den Hostnamen und die IP-Adresse an einen bestimmten Host zu binden, müssen Sie die Hardware-Adresse (MAC) des Systems kennen und angeben. Ersetzen Sie alle in diesem Beispiel verwendeten Variablen durch die in Ihrer Umgebung verwendeten Werte.

Nach dem Neustart weist der DHCP-Server dem angegebenen Host eine statische IP-Adresse zu, damit Sie über SSH eine Verbindung zum System herstellen können.

1.3.2. Einrichten eines TFTP-Servers

Das Einrichten eines TFTP-Servers erfolgt entweder mit YaST oder manuell auf einem beliebigen Linux-Betriebssystem, das xinetd und tftp unterstützt. Der TFTP-Server übergibt das Bootimage an das Zielsystem, sobald dieses gebootet ist und eine entsprechende Anforderung sendet.

1.3.2.1. Einrichten eines TFTP-Servers mit YaST

  1. Melden Sie sich als root an.

  2. Starten Sie YaST+Netzwerkdienste+TFTP-Server und installieren Sie das erforderliche Paket.

  3. Klicken Sie auf Aktivieren, um sicherzustellen, dass der Server gestartet und in die Bootroutine aufgenommen wird. Ihrerseits sind hierbei keine weiteren Aktionen erforderlich. tftpd wird zur Bootzeit von xinetd gestartet.

  4. Klicken Sie auf Firewall-Port öffnen, um den entsprechenden Port in der Firewall zu öffnen, die auf dem Computer aktiv ist. Diese Option ist nur verfügbar, wenn auf dem Server eine Firewall installiert ist.

  5. Klicken Sie auf Durchsuchen, um nach dem Verzeichnis mit dem Bootimage zu suchen.

    Das Standardverzeichnis /tftpboot wird erstellt und automatisch ausgewählt.

  6. Klicken Sie auf Beenden, um die Einstellungen zu übernehmen und den Server zu starten.

1.3.2.2. Manuelles Einrichten eines TFTP-Servers

  1. Melden Sie sich als root an und installieren Sie die Pakete tftp und xinetd.

  2. Erstellen Sie die Verzeichnisse /srv/tftpboot und /srv/tftpboot/pxelinux.cfg, sofern sie noch nicht vorhanden sind.

  3. Fügen Sie wie in Abschnitt 1.3.3, „PXE-Boot“ beschrieben die für das Bootimage erforderlichen Dateien hinzu.

  4. Ändern Sie die Konfiguration von xinetd, die sich unter /etc/xinetd.d/ befindet, um sicherzustellen, dass der TFTP-Server beim Booten gestartet wird:

    1. Erstellen Sie, sofern noch nicht vorhanden, eine Datei namens tftp in diesem Verzeichnis, indem Sie touch tftp eingeben. Führen Sie anschließend folgenden Befehl aus: chmod 755 tftp.

    2. Öffnen Sie die Datei tftp und fügen Sie die folgenden Zeilen hinzu:

      service tftp
      {
      		socket_type            = dgram 
      		protocol               = udp 
      		wait                   = yes 
      	        user                   = root 
      		server                 = /usr/sbin/in.tftpd 
      		server_args            = -s /tftpboot 
      		disable                = no
      }
      
    3. Speichern Sie die Datei und starten Sie xinetd mit rcxinetd restart neu.

1.3.3. PXE-Boot

Einige technische Hintergrundinformationen sowie die vollständigen PXE-Spezifikationen sind in der PXE-Spezifikation (Preboot Execution Environment) (ftp://download.intel.com/labs/manage/wfm/download/pxespec.pdf enthalten.

  1. Wechseln Sie in das Verzeichnis des Installations-Repositorys und kopieren Sie die Dateien linux, initrd, message und memtest in das Verzeichnis /srv/tftpboot, indem Sie folgenden Befehl eingeben:

    cp -a boot/loader/linux boot/loader/initrd 
    boot/loader/message boot/loader/memtest /srv/tftpboot
  2. Installieren Sie mit YaST das Paket syslinux direkt von den Installations-CDs oder -DVDs.

  3. Kopieren Sie die Datei /usr/share/syslinux/pxelinux.0 in das Verzeichnis /srv/tftpboot, indem Sie folgenden Befehl eingeben:

    cp -a /usr/share/syslinux/pxelinux.0 /srv/tftpboot 
  4. Wechseln Sie in das Verzeichnis des Installations-Repositorys und kopieren Sie die Datei isolinux.cfg in das Verzeichnis /srv/tftpboot/pxelinux.cfg/default, indem Sie folgenden Befehl eingeben:

    cp -a boot/loader/isolinux.cfg /srv/tftpboot/pxelinux.cfg/default 
  5. Bearbeiten Sie die Datei /srv/tftpboot/pxelinux.cfg/default und entfernen Sie die Zeilen, die mit gfxboot, readinfo und framebuffer beginnen.

  6. Fügen Sie die folgenden Einträge in die append-Zeilen der standardmäßigen Kennungen failsafe und apic ein:

    insmod=e100

    Mit diesem Eintrag wird das Kernel-Modul für eine Intel 100 MBit/s Netzwerkkarte auf die PXE-Clients geladen. Der Eintrag ist abhängig von der Clienthardware und muss entsprechend angepasst werden. Im Fall einer Broadcom GigaBit-Netzwerkkarte muss der Eintrag wie folgt lauten: insmod=bcm5700.

    netdevice=eth0

    Dieser Eintrag definiert die Schnittstelle des Client-Netzwerks, die für die Netzwerkinstallation verwendet werden muss. Dieser Eintrag ist jedoch nur erforderlich und muss entsprechend angepasst werden, wenn der Client mit mehreren Netzwerkkarten ausgestattet ist. Falls nur eine Netzwerkkarte verwendet wird, kann dieser Eintrag ausgelassen werden.

    install=nfs://IP_Instserver/Pfad_Instquelle/CD1

    Dieser Eintrag gibt den NFS-Server und die Installationsquelle für die Client-Installation an. Ersetzen Sie IP_Instserver durch die IP-Adresse des Installationsservers. Pfad_Instquelle muss durch den Pfad der Installationsquell ersetzt werden. HTTP-, FTP- oder SMB-Quellen werden auf ähnliche Weise adressiert. Eine Ausnahme ist das Protokollpräfix, das wie folgt lauten muss: http, ftp oder smb.

    [Important]Wichtig

    Wenn den Installationsroutinen weitere Bootoptionen, z. B. SSH- oder VNC-Boot-Parameter, übergeben werden sollen, hängen Sie diese an den Eintrag install an. Einen Überblick über die Parameter sowie einige Beispiele finden Sie in Abschnitt 1.4, „Booten des Zielsystems für die Installation“.

    Im Folgenden finden Sie die Beispieldatei /srv/tftpboot/pxelinux.cfg/default. Passen Sie das Protokollpräfix für die Installationsquelle gemäß der Netzwerkkonfiguration an und geben Sie die bevorzugte Methode an, mit der die Verbindung zum Installationsprogramm hergestellt werden soll, indem Sie die Optionen vnc und vncpassword oder ssh und sshpassword zum Eintrag install hinzufügen. Die durch \ getrennten Zeilen müssen als fortlaufenden Zeile ohne Zeilenumbruch und ohne den \ eingegeben werden.

    default linux 
            
    # default
    label linux 
      kernel linux 
    		append initrd=initrd ramdisk_size=65536 insmod=e100 \ 
    		install=nfs://ip_instserver/path_instsource/product 
    	    
    # failsafe
      label failsafe 
    	kernel linux 
    	append initrd=initrd ramdisk_size=65536 ide=nodma apm=off acpi=off \ 
    	insmod=e100 install=nfs://ip_instserver/path_instsource/product
    
    # apic
    label apic 
      kernel linux 
      append initrd=initrd ramdisk_size=65536 apic insmod=e100 \ 
      install=nfs://ip_instserver/path_instsource/product
    
    # manual
    label manual 
      kernel linux 
      append initrd=initrd ramdisk_size=65536 manual=1 
    
    # rescue
    label rescue 
      kernel linux 
      append initrd=initrd ramdisk_size=65536 rescue=1 
    
    #  memory test
    label memtest 
      kernel memtest 
    
    # hard disk
    label harddisk 
      kernel 
      linux append SLX=0x202 
    
    implicit     0
    display      message
    prompt       1
    timeout      100
    

    Ersetzen Sie ip_instserver und path_instsource durch die in Ihrer Konfiguration verwendeten Werte.

    Der folgende Abschnitt dient als Kurzreferenz für die in dieser Konfiguration verwendeten PXELINUX-Optionen. Weitere Informationen zu den verfügbaren Optionen finden Sie in der Dokumentation des Pakets syslinux, die sich im Verzeichnis /usr/share/doc/packages/syslinux/ befindet.

1.3.4. PXELINUX-Konfigurationsoptionen

Die hier aufgeführten Optionen sind eine Teilmenge der für die PXELINUX-Konfigurationsdatei verfügbaren Optionen.

DEFAULT Kernel Optionen...

Legt die standardmäßige Kernel-Kommandozeile fest. Wenn PXELINUX automatisch gebootet wird, agiert es, als wären die Einträge nach DEFAULT am Bootprompt eingegeben worden, außer, dass die Option für das automatische Booten automatisch hinzugefügt wird.

Wenn keine Konfigurationsdatei vorhanden oder der DEFAULT-Eintrag in der Konfigurationsdatei nicht vorhanden ist, ist die Vorgabe der Kernel-Name „linux“ ohne Optionen.

APPEND Optionen...

Fügt der Kernel-Kommandozeile eine oder mehrere Optionen hinzu. Diese werden sowohl bei automatischen als auch bei manuellen Boot-Vorgängen hinzugefügt. Die Optionen werden an den Beginn der Kernel-Kommandozeile gesetzt und ermöglichen, dass explizit eingegebene Kernel-Optionen sie überschreiben können.

LABEL Kennung KERNEL Image APPEND Optionen...

Gibt an, dass wenn Kennung (Label) als zu bootender Kernel eingegeben wird, PXELINUX stattdessen Image booten soll und die angegebenen APPEND-Optionen an Stelle der im globalen Abschnitt der Datei (vor dem ersten LABEL-Befehl) angegebenen Optionen verwendet werden sollen. Die Vorgabe für Image ist dieselbe wie für Kennung und wenn keine APPEND-Optionen angegeben sind, wird standardmäßig der globale Eintrag verwendet (sofern vorhanden). Es sind bis zu 128 LABEL-Einträge zulässig.

Beachten Sie, dass GRUB die folgende Syntax verwendet:

title mytitle 
  kernel my_kernel my_kernel_options 
  initrd myinitrd

während PXELINUX diese Syntax verwendet:

label mylabel 
  kernel mykernel 
  append myoptions 

Kennungen (Labels) werden wie Dateinamen umgesetzt und müssen nach der Umsetzung (sogenanntes Mangling) eindeutig sein. Die beiden Kennungen (Labels) „v2.1.30“ und „v2.1.31“ wären beispielsweise unter PXELINUX nicht unterscheidbar, da beide auf denselben DOS-Dateinamen umgesetzt würden.

Der Kernel muss kein Linux-Kernel, sondern kann ein Bootsektor oder eine COMBOOT-Datei sein.

APPEND -

Es wird nichts angehängt. APPEND mit einem Bindestrich als Argument in einem LABEL-Abschnitt kann zum Überschreiben einer globalen APPEND-Option verwendet werden.

LOCALBOOT Typ

Wenn Sie unter PXELINUX LOCALBOOT 0 an Stelle einer KERNEL-Option angeben, bedeutet dies, dass dieses bestimmte Label aufgerufen und die lokale Festplatte an Stelle eines Kernels gebootet wird.

Argument

Beschreibung

0

Führt einen normalen Bootvorgang durch

4

Führt einen lokalen Bootvorgang mit dem noch im Arbeitsspeicher vorhandenen UNDI-Treiber (Universal Network Driver Interface) durch

5

Führt einen lokalen Bootvorgang mit dem gesamten PXE-Stack, einschließlich des UNDI-Treibers durch, der sich im Arbeitsspeicher befindet

Alle anderen Werte sind nicht definiert. Wenn Sie die Werte für die UNDI- oder PXE-Stacks nicht wissen, geben Sie 0 an.

TIMEOUT Zeitlimit

Gibt in Einheiten von 1/10 Sekunde an, wie lange der Bootprompt angezeigt werden soll, bevor der Bootvorgang automatisch gestartet wird. Das Zeitlimit wird aufgehoben, sobald der Benutzer eine Eingabe über die Tastatur vornimmt, da angenommen wird, dass der Benutzer die Befehlseingabe abschließt. Mit einem Zeitlimit von Null wird das Zeitlimitoption deaktiviert (dies ist die Vorgabe).

Der größtmögliche Wert für das Zeitlimit ist 35996 (etwas weniger als eine Stunde).

PROMPT flag_val

Wenn flag_val 0 ist, wird der Bootprompt nur angezeigt, wenn die Taste oder gedrückt wird oder die Feststelltaste oder die Taste Rollen gesetzt ist (dies ist die Vorgabe). Wenn flag_val 1 ist, wird der Bootprompt immer angezeigt.

F2   Dateiname
F1   Dateiname ..usw...
F9   Dateiname
F10  Dateiname

Zeigt die angegebene Datei auf dem Bildschirm an, wenn am Bootprompt eine Funktionstaste gedrückt wird. Mithilfe dieser Option kann auch die Preboot-Online-Hilfe implementiert werden (für die Kernel-Kommandozeilenoptionen.) Aus Gründen der Kompabilität mit früheren Versionen kann F10 auch als F0 verwendet werden. Beachten Sie, dass derzeit keine Möglichkeit besteht, Dateinamen an F11 und F12 zu binden.

1.3.5. Vorbereiten des Zielsystems für PXE-Boot

Bereiten Sie das System-BIOS für PXE-Boot vor, indem Sie die PXE-Option in die BIOS-Bootreihenfolge aufnehmen.

[Warning]Warnung

Die PXE-Option darf im BIOS nicht vor der Bootoption für die Festplatte stehen. Anderenfalls würde dieses System versuchen, sich selbst bei jedem Booten neu zu installieren.

1.3.6. Vorbereiten des Zielsystems für Wake-on-LAN

Wake-on-LAN (WOL) erfordert, dass die entsprechende BIOS-Option vor der Installation aktiviert wird. Außerdem müssen Sie sich die MAC-Adresse des Zielsystems notieren. Diese Daten sind für das Initiieren von Wake-on-LAN erforderlich.

1.3.7. Wake-on-LAN

Mit Wake-on-LAN kann ein Computer über ein spezielles Netzwerkpaket, das die MAC-Adresse des Computers enthält, gestartet werden. Da jeder Computer einen eindeutigen MAC-Bezeichner hat, ist es nicht möglich, dass versehentlich ein falscher Computer gestartet wird.

[Important]Wichtig

Wenn sich der Kontrollcomputer nicht im selben Netzwerksegment wie das zu startende Installationsziel befindet, konfigurieren Sie die WOL-Requests entweder so, dass sie als Multicasts verteilt werden, oder steuern Sie einen Computer in diesem Netzwerksegment per entferntem Zugriff so, dass er als Absender dieser Requests agiert.

1.3.8. Manuelles Wake-on-LAN

  1. Melden Sie sich als root an.

  2. Starten Sie YaST+Software installieren oder löschen und installieren Sie das Paket netdiag.

  3. Öffnen Sie ein Terminal und geben Sie als root den folgenden Befehl ein, um das Ziel zu starten:

    ether-wake MAC_Ziel

    Ersetzen Sie MAC_Ziel durch die MAC-Adresse des Ziels.